DGLI - Liberal International

Informationsveranstaltung zu den Hintergründen des Aufstands in Kirgisien im April 2010

10.05.2010 Frederick Denhart und Frau Prof Hazle Denhart
Frederick Denhart und Frau Prof Hazle Denhart
Am 05. Mai 2010 fand im Abgeordnetenhaus Berlin eine Informationsveranstaltung der Sektion Berlin zu den Hintergründen des Aufstands in Kirgisien statt. Diese spontane Veranstaltung kam auf Initiative von Andreas Hinterhäuser, Mitglied des Vorstands der DGLI, zustand, weil sich gerade zwei amerikanische Helfer aus Kirgisien in Berlin befanden. Andreas Hinterhäuer moderierte die Veranstaltung und übersetzte aus dem Englischen.

Frau Prof Hazle Denhart und ihr Mann, Frederick Denhart, haben die letzten Jahre in Kirgisien verbracht. Frau Prof Denhart unterrichtete an der American University of Middle Asia und forschte auf dem Gebiet der soziologischen Anthropologie, Herr Frederick Denhart leitete ein Hilfsprogramm der amerikanischen Hilfsorganisation Mercicorp. Wie allgemein bekannt ist, unterhalten die USA nahe der Hauptstadt Bishkek eine große Militärbasis, von de aus Kampfeinsätze in Afghanistan geflogen werden.

Die Kirgisen, ein Volk mit langer nomadischer Tradition, wurden erst mit Eintritt Kirgisiens in die Sowjetunion sesshaft (gemacht). Noch heute allerdings bestehen alte Loyalitäten zu den Clans.

In dieser Loyalitätsstruktur, aber auch in der Armut der Bevölkerung wie auch in dem Beschneiden von Menschenrechten wie insbesondere die Informations- und Pressefreiheit, liegen die Ursachen des Konflikts, der letztlich Ende April eskaliert ist. Darüber hinaus gibt es ein erhebliches Gefälle zwischen Nord und Süd, im Süden verlaufen im übrigen die Handelswege für afghanisches Opium.

Interessant war auch der Unterschied zwischen dem Leben in den Städten und dem Leben auf dem Land, wo Teile der Bevölkerung noch nicht einmal wahrgenommen haben, dass Kirgisien Sowjetrepublik war, geschweige den, dass es im Jahr 1992 zur Unabhängigkeit des Landes gekommen ist.

Ein - positives - Erbe der Sowjetzeiten ist die vollständige Alphabetisierung der Bevölkerung. Das Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung und Ausbildung hat sich erhalten, auch heute noch investiert dieses extrem arme und sehr junge Land viel Geld in die Bildung.

Heute steht Kirgisien im Fokus des Interesses der Supermächte wie auch Chinas. Da die Kirgisen ein Turkvolk sind, sieht sich die dort aktive Türkei als natürliches Leading Country für Kirgisien.

Unter den Gästen konnten wir den Gesandten Kirgisiens in Berlin, Herrn Botschaftsrat Ernest Otorbaev, begrüßen.

Im Anschluss an den Vortrag, der von Photos aus Kirgisien begleitet wurde, kam es zu einer lebhaften Diskussion, an der Herr Botschaftsrat Otorbaev mit sehr offenen Redebeiträgen regen Anteil hatte. Er betonte insbesondere die Notwendigkeit für sein Land zu einer rechtsstaatlichen Struktur der Verwaltung und Wirtschaft zu gelangen und insbesondere transparentere Entscheidungsstrukturen zu schaffen. Er appellierte an die Bundesrepublik, ihr Engagement zu verstärken. Diesem Appell sollten wir uns gerade in Hinblick auf das große weltpolitische Interesse der Region unbedingt anschließen.


Bilder von der Veranstaltung finden Sie hier.
Dienstag, 7. Februar 2012
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