DGLI tagte beim Institut für Auslandsbeziehungen in Stuttgart
26.11.2010Enttäuschende Mitgliederpräsenz bei kulturpolitischem Leuchtturm

Manfred R. Eisenbach
DGLI-Generalsekretär Gerade wegen des aus den Sektionen artikulierten dringenden Wunsches, als DGLI mehr zentrale Veranstaltungen in den Regionen durchzuführen, hatte das Präsidium für Samstag, den 20. November 2010, zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung der Deutschen Gruppe von Liberal International nach Stuttgart eingeladen. Nachdem die Verleihung der diesjährigen Reinhold-Maier-Medaille kurzfristig um eine Woche verschoben worden war, gelang es, das Mitgliedertreffen mit einem anderen örtlichen Highlight zu verbinden: Als Gäste des Deutschen Instituts für Auslandsbeziehungen e. V. („ifa“) hatten die DGLI-Mitglieder die einmalige Gelegenheit, aus erster Hand die Arbeit dieses erstrangigen Kultur(ver)mittlers näher kennenzulernen, dessen Wirken ganz zu Unrecht immer ein wenig im Schatten des „großen“ Goethe-Instituts steht.
Die ehemalige Staatsministerin im Auswärtigen Amt und spätere deutsche Botschafterin in Wien, Sofia und Budapest, Frau Ursula Seiler-Albring, ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit ihrem Generalsekretär Ronald Grätz und weiteren leitenden Mitarbeiterinnen ihr weltweit tätiges Kulturinstitut vorzustellen und den Gästen zur Diskussion zur Verfügung zu stehen.
Einleitend gab Frau Seiler-Albring einen kurzen geschichtlichen Abriß über die noch zum Ende des 1. Weltkrieges zur Förderung des Auslandsdeutschtums und der Imagepflege gegründete Institution. Das Bewußtsein, daß nach dem Krieg manches für Kultur und soziale Stellung der Millionen von Auslandsdeutschen in Europa und in Übersee getan werden müsse, ging einher mit dem Wunsch, das lädierte Ansehen Deutschlands in der Welt zu verbessern. Noch im Gründungsjahr 1917 erfolgte die Umbenennung in "Deutsches Ausland-Institut" (DAI), das dann 1925 das umgebaute "Alte Waisenhaus" am Charlottenplatz bezog. „Wenn heute alle Welt über die Verstrickungen des Auswärtigen Amtes in die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft redet, hat das nach 1933 gleichgeschaltete Institut seine Geschichte vor Jahren bereits ohne Wenn und Aber wissenschaftlich aufgearbeitet und dokumentiert“, stellte die ifa-Präsidentin heraus.
Durch einen Erlaß der württembergisch-badischen Regierung vom 5. Juli 1949 wurde die Neugründung des "Instituts für Auslandsbeziehungen" (ifa) als öffentlich-rechtliche Körperschaft mit gemeinnützigem Charakter beschlossen. Getragen und gefördert wird das Institut seitdem vom Auswärtigen Amt als dem größten Zuwendungsgeber, dem Land Baden-Württemberg und der Landeshauptstadt Stuttgart. Im Zuge der deutschen Wiedervereinigung weitete das „ifa“ seine Aktivitäten auch auf die neuen Länder aus. 1991 wurde die in Kunstkreisen stark beachtete ifa-Galerie Berlin eröffnet. Die neuen Aufgaben – vor allem auch in den Ländern des ehemaligen Ostblocks – erforderten eine veränderte Arbeitsstruktur, die mit der neuen Satzung im Jahr 1997 gefunden wurde: In der Rechtsform des eingetragenen Vereins wurde die Organisation des Hauses durch schlankere Gremien und klare Verantwortlichkeiten den neuen Anforderungen angepaßt und letztendlich in die heutige Struktur mit seinen vier Abteilungen (Kunst, Dialoge, Medien, Verwaltung) überführt. Frau Seiler-Albring führte weiter aus, daß man sich im „ifa“ sehr wohl der Tatsache bewußt war, daß durch die fortschreitende Globalisierung, die Systemumbrüche und -einbrüche in Ost- und dann vor allem in Südosteuropa und durch das neue kulturelle Selbstbewußtsein in vielen Regionen der Welt der internationale Kulturdialog immer mehr an Bedeutung gewinnen würde – auch als Gegenmodell zu dem von Samuel P. Huntington heraufbeschworenen "Kampf der Kulturen". Demzufolge wurde der Aufgabenkatalog erweitert, Netzwerke wurden auf- und ausgebaut. Natürlich ist die Finanz- und Haushaltskrise der vergangenen Jahre auch am „ifa“ nicht spurlos vorübergegangen; so sinken die Zuschüsse des Instituts aus dem Bundeshalt im Jahr 2011 um 3 % trotz des Anwachsens der Mittel für die auswärtige Kulturpolitik insgesamt. Gleichzeitig hat die Summe der Projektmittel zugenommen, nicht zuletzt durch die verstärkte Einwerbung von Drittmitteln. Je punktueller und je projektbezogener heute Gelder fließen, umso wichtiger ist es, ein stringentes inhaltliches Konzept zu haben. Die ifa-Präsidentin schloß ihre informativen Betrachtungen mit der Bemerkung, daß sich das Institut heute weltweit für Kulturaustausch, für den Dialog der Kulturen und die Vermittlung außenkulturpolitischer Informationen engagiert und damit seinem Motto „Kulturen verbinden“ gerecht wird.
Auf diese Tour d’horizon folgte eine detailreiche Darstellung der Arbeit der einzelnen Arbeitsbereiche durch ifa-Generalsekretär Ronald Grätz. Zur Aufgabenstellung des „ifa“ gehören neben der Organisation von Ausstellungen im In- und Ausland und der Betreuung des deutschen Auftritts bei den Biennalen diverse Veranstaltungsreihen wie das prominent besetzte Expertenforum „Stuttgarter Schloßgespräche“, Konferenzen zur auswärtigen Kulturpolitik sowie zum Kulturaustausch generell, Stipendien-, Praktika- und CrossCulture-Programme. Aber auch Deutschkurse und verschiedene, in Wissenschaft und Gesellschaft sehr beachtete Publikation(sreih)en zählen zum Tätigkeitsfeld des „ifa“, das bei der Erfüllung seiner Aufgaben eng mit dem Goethe-Institut, anderen Stiftungen und natürlich dem Auswärtigen Amt zusammenarbeitet. Das Programm „zivik“ zur Förderung internationaler Friedensprojekte in Krisenregionen und zur Beratung von Nichtregierungsorganisationen sowie des Auswärtige Amtes auf diesem Gebiet ist ebenso ein Vorzeigebeispiel des Instituts wie die umfangreiche Bibliothek, die mit über 415.000 Bänden und 1.200 Zeitschriften Anziehungspunkt für Wissenschaftler und Nachwuchsforscher und Informationsdienstleister für Bundestag, Auswärtiges Amt und weitere Ministerien ist. Die Arbeit dieses Herzstücks des „ifa“ wurde anschließend von der Bibliotheksleiterin Gudrun Czekalla und die spannende Ausstellungspolitik des Hauses von Frau Elke auf dem Moore (Abteilung Kunst) mit großem Engagement vorgetragen.
An die Präsentationen schloß sich eine etwa halbstündige, lebhafte Aussprache an, in der Fragen der Medienzusammenarbeit (Stichwort: Deutsche Welle), der Öffentlichkeitsarbeit, der Vermeidung von Doppelungen z. B. mit der Arbeit des Zentrums für Friedenseinsätze Berlin (ZIF), die Ausstellungsaktivitäten (Biennale in Venedig, Kooperation mit der Bundeskunsthalle in Berlin und der Reiseausstellung „Synagogen in Deutschland – Eine virtuelle Rekonstruktion“) sowie Haushalts- und Finanzierungsprobleme (Stichwort: Fehlbedarfsfinanzierung, Rücklagenverbot etc.) vertieft werden.
DGLI-Präsident Patrick Meinhardt, MdB, dankte zum Abschluß Frau Seiler-Albring und Herrn Grätz mit ihrem Team für die vorzügliche Darstellung des Instituts für Auslandsbeziehungen, das mit seinem weltweiten Engagement für Kunstaustausch, den Dialog der Zivilgesellschaften und die Vermittlung außenkulturpolitischer Informationen einen in der breiten Öffentlichkeit leider zu wenig wahrgenommenen, bedeutsamen Beitrag zur kulturellen Selbstdarstellung Deutschlands liefert und ein Leuchtturm für gelungene und effektive Kulturpolitik ist. Er verweist auf die thematischen Schnittmengen zwischen DGLI und „ifa“ und wünscht sich eine Fortsetzung des mit dieser Veranstaltung aufgenommenen Dialogs zwischen den beiden Organisationen. Für vertiefende Informationen über die Arbeit des „ifa“ rät er zum häufigen Besuch der Webseite www.ifa.de.
Manfred R. Eisenbach
Generalsekretär
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