DGLI-Präsidium tagte in Helsinki
22.10.2010
Aktive Beteiligung der Präsidiumsmitglieder beim ELDR-JahreskongreßAm Rande des ELDR-Jahreskongresses trat das Präsidium der DGLI am 16. Oktober 2010 in der finnischen Hauptstadt Helsinki zu einer turnusmäßigen Sitzung zusammen. In Vertretung des wegen einer Delegationsreise des Deutschen Bundestages entschuldigten Präsidenten Patrick Meinhardt, MdB, wurde die Sitzung von Vizepräsident Dr. Wolfgang Tischler geleitet, an der noch Manfred R. Eisenbach, Dr. Carsten Klein, Stephan Korte, Lilli Löbsack, Jonas Renz und Sandro Schilder teilnahmen.
Im Mittelpunkt der Zusammenkunft stand die Vorbereitung der außerordentlichen Mitgliederversammlung am 20. November 2010 in Stuttgart. Mit dieser Veranstaltung nimmt das Präsidium den aus den Sektionen verschiedentlich geäußerten Wunsch auf, neben der ordentlichen Jahresmitgliederversammlung, die seit einigen Jahren im ersten Halbjahr in Verbindung mit dem LI Day in Berlin stattfindet, im Herbst eine weitere Mitgliederversammlung durchzuführen, um das Vereinsleben in den einzelnen Sektionen zu fördern und den Zusammenhalt innerhalb der DGLI zu verstärken. Das Präsidium bekräftigte seine Überzeugung, daß die intensive Beschäftigung mit dem Institut für Auslandsbeziehungen und die Zusammenkunft mit seiner hochkompetenten Leitung die Reise nach Stuttgart sehr lohnend macht, weist doch die Arbeit des „ifa“ mit unseren eigenen Vereinszwecken große Schnittmengen auf.
Weiterer Schwerpunkt der Agenda war die Vorbereitung des VI. Liberal International Day, der am 7. Mai 2011 wiederum im Atrium der Deutschen Bank AG in Berlin stattfindet und dem Thema „Menschenrecht Bildung“ gewidmet ist. Nachdem die thematische Abgrenzung und Zuspitzung bereits in den vergangenen Sitzungen vorgenommen worden war, gehen nun die Anstrengungen dahin, einen eminenten Redner für das Impulsreferat zu gewinnen und das Diskussionsforum so zu besetzen, daß die unterschiedlichen Aspekte des Verhandlungsgegenstandes „vertreten“ sind. Daneben wurde auch aus den verschiedenen Sektionsberichten sehr deutlich, wie facettenreich und anregend die DGLI-Arbeit vor Ort in verschiedenen Ländern ist: Dies ist zugleich ein Ansporn für die gemeinsame Anstrengung, die weniger aktiven Sektionen mit neuem Leben zu füllen.
Der Präsidiumssitzung vorausgegangen war der 31. Jahreskongreß der ELDR, der Vereinigung der liberalen Parteien in Europa, in dessen Mittelpunkt die Diskussion des globalen Themas des demographischen Wandels stand. Vom 13. bis 15. Oktober tagten im Scandic Congress Center auf Einladung der beiden formidablen finnischen Mitgliedsparteien Suomen Keskusta and Svenska Folkpartiet über 550 Delegierte und Gäste aus den ELDR-Mitgliedsparteien wie auch Persönlichkeiten aus dem weiteren europäischen liberalen Netzwerk, einschließlich der finnischen Premierministerin, EU-Kommissaren und Abgeordneten aus dem Europaparlament und den nationalen Parlamenten. Die Mitglieder des DGLI-Präsidiums – sofern Sie nicht schon als FDP-Delegierte zum Kongreß gewählt waren – konnten auf Vermittlung des Generalsekretärs als Gäste aktiv an den Geschäften teilhaben und waren als vor Ort nominierte Ersatzdelegierte bei allen Abstimmungen stimmberechtigt. Dabei kam den DGLI-Mitgliedern Gesine Meissner, MdEP, bei der Verabschiedung der Congress Theme Resolution „Liberal Responses to the Challenges of Demographic Change“, DGLI-Generalsekretär Manfred R. Eisenbach bei der Behandlung der mehr als 25 Anträge und Dringlichkeitsresolutionen sowie ELDR-Vizepräsident Markus Löning bei der Koordinierung der Personalentscheidungen als jeweilige Stimmführer eine verantwortungsvolle Aufgabe zu. Daneben verhandelte und entwarf Manfred R. Eisenbach mit anderen Parteien auf der Basis eines von ihm für die FDP eingebrachten Dringlichkeitsantrags zu den schändlichen Massenausweisungen von Romas aus Frankreich eine weitergefaßte Resolution zu den Romas in Europa, die vom Kongreß einstimmig gutgeheißen wurde. Alle Resolutionen können über die Internetseite www.eldr.org aufgerufen und heruntergeladen werden.
Ein herausragendes Kongreßereignis war schließlich am Freitag die Wahl von drei prominenten europäischen liberalen Führungspersönlichkeiten zu neuen Vizepräsidenten der ELDR. Von den sechs Kandidaten wurden für eine zweijährige Amtszeit der ehemalige liberale Fraktionsvorsitzende im Europäischen Parlament, Graham Watson, MdEP/LibDem) und der amtierende irische Europaminister Dick Roche, MP/Fianna Fáil, neu- sowie für eine dritte Amtszeit die Fraktionsvorsitzende der HNS im Kroatischen Parlament, Vesna Pusic, MP, wiedergewählt. Ferner wählte der Kongreß Roman Jakic von ZARES aus Slowenien zum neuen Schatzmeister.
Durch Vermittlung von Dr. Carsten Klein gelangten die Präsidiumsmitglieder nach ihrer Präsidiumssitzung am Samstag in den Genuß einer kenntnisreichen Führung auf der Helsinki vorgelagerte Festungsinsel Suomenlinna durch den ehemaligen Landwirtschaftattaché der finnischen Botschaft in Berlin, Herrn Kari Vitie. Die ehemalige schwedische Gründung Sveaborg war als Bollwerk gegen ein russisches Helsinki 1748 gedacht. Allein nach erfolgreicher Belagerung kamen Insel, Stadt und ganz Finnland 1809 unter russische Herrschaft, und das Fort erlebte eine sehr wechselvolle – auch revolutionäre – Geschichte. Die letzte finnische Garnison verließ Suomenlinna 1978, aber die Spuren der martialischen Vergangenheit sind noch überall zu spüren und zu besichtigen. In die Unesco-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, hat jetzt die Kultur und der (Naherholungs-)Tourismus die Insel erobert, die in teilweise historischen Häusern etlichen hundert Finnen Heimstatt bietet und offensichtlich als intakter wie attraktiver „Kiez“ (sogar mit eigener Grundschule) in Blickkontakt zur 15 Schiffsminuten entfernten, betriebsamen Hauptstadt geschätzt wird. Abgeschlossen wurde der Ausflug auf die Insel mit einem Rundgang durch das alte Zentrum, das neoklassizistische Helsinki, das im wesentlichen nach dem Masterplan des deutschstämmigen Architekten Carl Ludwig Engel zurückgeht und nach einem verheerenden Großbrand, dem die mehrheitlichen traditionellen Holzhäuser zum Opfer fielen, auf Befehl des russischen Zaren Gestalt annahm.
Fazit: Helsinki, die „weiß-blaue“ Tochter der Ostsee, ist mit ihren vielen Gesichtern sowohl in der Zeit der Weißen Nächte als auch während der dunklen Herbst- und Wintertage mit seinem bezaubernden Weihnachtsmarkt auf der Flaniermeile „Esplandi“ immer eine Reise wert und für ganz persönliche Entdeckungen gut – einschließlich der sehr eigenständigen und schmackhaften finnischen Küche.
Manfred R. Eisenbach
DGLI-Generalsekretär
Impressionen vom Aufenthalt in Helsinki finden Sie hier.
