1. Laatzener Dialog: Stellung der Frau in den arabischen Staaten


Dirk Weissleder (li.) dankt Dr. Hasan Amarat für seinen Vortrag. Unter der Fragestellung "Wie modern ist der Islam? Die Stellung der Frau in der arabischen Welt" fand am vergangenen Donnerstagabend im Hotel Haase die Auftaktveranstaltung der neuen Reihe "Laatzener Dialog" statt. Trotz des guten Wetters war die Veranstaltung, die gemeinsam von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und der DGLI organisiert worden war, gut besucht. Grund dafür düfte nicht zuletzt die Aktualität des Themas gewesen sein. Als Referent konnte der Islamwissenschaftler und Lehrer für arabische und persische Sprache, Herr Dr. Hasan Amarat, gewonnen werden.
Der gebürtige Jordanier berichtete über die religiöse, soziale und gesellschaftliche Stellung der Frau in den über 20 Staaten, die im Allgemeinen zur arabischen Welt gezählt werden. Dabei ging Dr. Amarat nicht nur auf die im Koran niedergelegten Grundsätze, sondern auch auf die jeweils sehr unterschiedlichen landestypischen kulturellen Traditionen ein. "Es gibt nicht den Islam, sondern unterschiedliche Auslegungen in unterschiedlichen Ländern", so Dr. Amarat. Ganz traditionell betrachtet, stünde der Mann nach den Geboten des Koran über der Frau (Sure 4, Vers 34), die diesem zum Gehorsam verpflichtet sei. Dafür übernehme der Mann aber auch eine umfassende Versorgungs- und Schutzpflicht gegenüber seiner Ehefrau. Allerdings gebe es gegenwärtig in den arabischen Staaten, namentlich in Marokko, derzeit auch liberale Tendenzen, die sich langsam gesellschaftlich durchsetzen würden, so Dr. Amarat.
Allerdings sei auch das Gegenteil der Fall. So gebe es auch Entwicklungen zu stärker traditionellem Verständnis, wie beispielsweise im Jemen.
Im Anschluss an den Vortrag hatten die Gäste die Möglichkeit, den Referenten ausgiebig zu befragen, so den Aspekten des Tragens von Schleiern, weiblicher Selbstbestimmung, der Wahl des Ehepartners, insgesamt Rechte der Frauen innerhalb der Ehe und der Möglichkeit, sich scheiden zu lassen.
Alle Gäste waren sich darin einig, dass die Fragestellung des Abends nur sehr differenziert beantwortet werden kann, der Informations- und Diskussionsbedarf ist hierbei groß, das Interesse enorm. Dies hatte DGLI-Vizepräsident Dirk Weissleder, FDP-Chef und Ratsherr in Laatzen, bereits in seiner Begrüßung herausgestellt. "Die Globalisierung führt langfristig auch zu einer Globalisierung der Menschenrechte, wenngleich mühsam. Ansichten der Moderne würden sich auch in traditionellen Gesellschaften durchsetzen. Zugleich bedeute Globalisierung auch erhöhte Migrationsbewegungen, die sich später auch lokal, eben hier in Laatzen niederschlagen", so Weissleder. "Integration kann nur vor Ort gelingen. Dafür brauchen alle Beteiligte aber auch Wissen und gegenseitiges Verständnis des jeweiligen kulturellen Hintergrundes", so der Liberale.
Weissleder zeigte sich mit der Anzahl der Gäste hoch zufrieden und freute sich über das große Interesse an diesem Thema mit internationalem Bezug. "Wir werden den Laatzener Dialog auf alle Fälle fortsetzen", so der Laatzener.
